Das Leben mit Hund – was sich verändert

IMG_1491Bevor Paddington in mein Leben trat, wurde ich von überraschend vielen Leuten in meinem Umfeld vor der Anschaffung eines Hundes gewarnt. Von Kopfschütteln über ironische Kommentare konnte ich dabei in meinem Umfeld wirklich jede typisch deutsch-kleingeistige Geste der subtilen Verachtung abgrasen. „Dir ist schon klar, dass du mit dem bei Wind und Wetter rausmusst?“ (Ich liebe Sätze, die mit „Dir ist schon klar…“ anfangen. Nicht.) „Wo soll der arme Hund denn hin wenn du unterwegs bist?“ (Der Hund war schon arm dran bevor er überhaupt bei mir eingezogen ist), „Einen Bobtail?! Na dann viel Spaß mit der Fellpflege! Wir hatten auch mal einen und das mit den Haaren war ein einziges Grauen.“ Aha.

So blöd und überflüssig ich manche dieser Kommentare auch fand und als Schwarzmalerei abgetan habe, am Ende des Tages haben sie mich doch verunsichert. Sei es weil es sich immer anhörte als wären Hunde ein einziges Ärgernis das man jahrelang bereut, oder weil diese Aussagen mir ja auch irgendwie unterstellten ich sei naiv in meinem Wunsch nach einem Hund (mit meinen damals jungen 21 Jahren).

Klar, Hunde sind (auch) Arbeit, sie kosten ganz schön viel und machen Dreck. Man muss sie erziehen, manchmal ganz schön viel Geduld mit ihnen (und sich selbst) haben und darf sich nicht schämen mit einem Beutel voller Scheiße und dreckigen Klamotten durch die Gegend zu laufen und nach einem Mülleimer zu suchen.
Fakt ist: Wer sich einen Hund anschafft, muss sich vorher ausführlich informieren und sich klar machen was das bedeutet. So eine Fellnase stellt den Alltag dauerhaft auf den Kopf und es gibt ein paar Aspekte daran, die nicht so viel Spaß machen.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Die „Nachteile“ eines Leben mit tierischem Begleiter sind eher technischer Natur (Geld, Zeit etc.) und im Internet zu genüge zu finden und aufgelistet. Wer Hunde mit Haut und Haar liebt kann mit diesen Punkten sehr gut leben und empfindet sie nichtmal unbedingt alle als Nachteil. (Die Zeit, die man beispielsweise für Spaziergänge aufbringen muss, tut einem oft selber sehr gut.) Viel mehr möchte ich hier einmal darauf eingehen, was die haarigen Freunde mit einem im Positiven machen, wie sich das Leben verändert und wie man selbst dabei unter anderem lernt ein etwas besserer Mensch zu sein. (Wenn etwas wahr ist, dann klingt es nicht mehr kitschig, oder?! 😉 )

Hunde bringen einen zum Lachen

Hunde sind manchmal meistens völlig vertrottelt und jeder von ihnen könnte vermutlich einen eigenen youtube-Kanal mit allerlei Beklopptheiten füllen. Sie bleiben mit Stock im Maul im Türrahmen hängen, legen grandiose Gesichtsbremsen in schlammigen Feldern hin, quetschen ihre Schnauze durch durch jede noch so enge Lücke und ihr Blick, wenn sie etwas nicht so ganz verstehen ist einfach unbezahlbar. Wer sich mit einem Hund langweilen möchte, muss ihn schon im Keller einschließen. Und das kann ich generell nicht empfehlen.

Hunde sind Familie

Ein Hund ist kein Lifestyle-Objekt, das man im Alltag so „mit durchschleift“. Hunde sind hochsoziale, eigenständige Wesen und um einiges intelligenter als ihr trotteliges Auftreten es uns manchmal vermuten lässt. Wer seine Fellnase liebt, erzieht und viel mit ihr unternimmt, wird eine unglaublich tiefe Verbindung zu diesem Geschöpf aufbauen. (Ich wusste vor meinem ersten Hund selber nicht, WIE intensiv die Verbindung zwischen Mensch und Hund sein kann.)
Man freut sich mit ihm, leidet mit ihm und vermisst ihn schmerzlich, wenn man ihn mal längere Zeit nicht sehen kann. Dieses loyale, alberne Wuschelwesen mischt den Alltag auf und so nervig manche Macken auch sein können, am Ende liebt man ihn über alles. Familie eben.

Hunde erinnern uns daran, dass Reden nur silber ist (oder eher Blech)

Schonmal mit jemandem kommuniziert, der deine (Wort-)Sprache nicht versteht und schon gar nicht spricht? Mit einem Hund steht man jeden Tag vor dieser Aufgabe. Hunde beherrschen vielleicht nicht unseren Wortschatz, dafür sprechen sie eine viel ehrlichere Sprache in Perfektion: Sie kommunizieren mit Blicken, Gesten, teilweise auch sehr interessanten Walgesängen (meiner zumindest) und lassen sich schon gar nicht von irgendwem einen vom Pferd erzählen. Soll heißen: Die Fähigkeit sich selbst zu betrügen oder leere Versprechungen zu machen bleibt wohl dem (manchmal ganz schön doofen) Menschen vorbehalten. Hunde sind immer im Hier und Jetzt, und sie bemessen ihr Umfeld an Taten und Emotionen, nicht an Worten. In dieser viel direkteren Kommunikation sind sie uns meilenweit voraus und fangen jede noch so kleine Stimmung auf. Auch wenn es manchmal schwierig erscheint einem Hund zu vermitteln, was man sonst in Worte fassen würde, mit der Zeit wird es immer einfacher. Und auch das ständige Lesen der Hundesprache macht einen zu einem aufmerksameren Beobachter und sorgt letztendlich für eine viel unmittelbarere Verbindung zum Hund, als es unser Geplapper jemals könnte.

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Hunde können uns einiges beibringen

Über diesen Punkt könnte ich vermutlich ein Buch schreiben. Es passiert nicht selten, dass ich meinen Hund beobachte und dabei etwas neidisch werde: Dieser kleine große Wollknäuel ist so unbeschwert, immer dankbar, voller Lebensfreude und nie nachtragend.
Vor ein paar Wochen habe ich zu genau diesem Phänomen im Internet eine Zeichnung gesehen, die mich ganz schön zum schmunzeln gebracht hat. Die Überschrift lautete: „Why your dog is happier than you.“, darauf zu sehen Mensch und Hund bei einem Spaziergang in einer Landschaft, beide mit einer Gedankenblase. Die Gedankenblase des Zweibeiners ist voll mit allem möglichen Zeugs: Sorgen, Ängsten, Wünschen, Zukunft und Vergangenheit. Und in der des Hundes ist nur eins zu sehen: Das gleiche Bild auf das man schaut. Hund mit Mensch in Landschaft. Ende. Mehr als das was gerade ist, ist in der Gedankenblase des Vierbeiners nicht zu finden.
Bumm, dieses Bild ist hängen geblieben.
Man stelle sich doch mal vor, der moderne Mensch müht sich in Meditationskursen und Achtsamkeitsgruppen, in Ratgeberbüchern und philosophischen Ausschweifungen ewig ab, um in Zukunft(!) irgendwann endlich bei diesem sagenumwobenen Glücklichsein anzukommen. Und da kommt mein völlig verpeilter Fressack von Hund um die Ecke und was macht er? Er IST es einfach. Hier und jetzt. Ganz schön Zen mein Hund, oder?

Hunde machen einen zu einem besseren Menschen

Jeden Tag zeigt mir mein Hund, dass es auch anders geht. Klar, er muss keine Rechnungen bezahlen und Mails beantworten. Aber auch er hat in seiner kleinen Hundewelt seine ganz eigenen Probleme, und damit geht er grandios um. Ob er nun viel zu schnell den Damm runterläuft, nicht mehr bremsen kann, sich überschlägt und mit seinem Gesicht einen Meter über den Kies rutscht, oder von mir an einem schlechten Tag mal ordentlich angefaucht wird. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Aufstehen, abstauben, weitermachen. Paddington hat auf mich jedenfalls noch nie den Eindruck gemacht, als müsste er plötzlich an ein schmerzhaftes oder peinliches Ereignis von vor zwei Wochen denken um dann gedanklich darin zu vergehen. Er denkt ja nicht mal an Dinge, die vor zwei Minuten waren.
Am eindrucksvollsten hat mir das mal ein Besuch beim Tierarzt gezeigt: Da musste ihm auf etwas schmerzhafte Weise eine Granne aus der Tatze entfernt werden. Das hat ihm überhaupt nicht gefallen und er hat sichtlich gelitten. Und was passiert in der Sekunde in der die Tierärztin fertig ist und „Fein“ sagt? Er wedelt mit dem Schwanz um sein Leben, gibt ihr tausend nasse Küsschen ins Gesicht, hüpft vom Behandlungstisch, rennt zu der Schublade mit den Leckerlies und grinst uns alle freudig an. Er dachte eben nicht “Das war aber schlimm”, sondern “Juhuuuu, es ist vorbei!”
Ich kenne so einige Menschen, die noch Stunden nach dem Arztbesuch – obwohl es ihnen längst wieder gut geht – allen in ihrem Umfeld erzählen würden wie schrecklich dieser Arztbesuch war, wie sehr sie gelitten haben und dass sie vermutlich nie wieder einen Arzt aufsuchen würden.
Und ich glaube von diesem Mechanismus des nach-Jammerns kann sich keiner von uns so richtig frei machen. Manchmal ist es einfach zu schön mitten in der Nacht aufzuwachen und voller Horror an dieses eine peinliche Erlebnis zu denken, das einem vor drei Jahren widerfahren ist. Hier könnten wir uns wahrscheinlich alle etwas vom Hunde-Spirit abgucken, ich jedenfalls versuche oft ein bisschen mehr wie Paddington zu sein.

Vermutlich werde ich nie so in mir ruhen wie mein Hund es tut. Aber ich kann auch so ganz ehrlich sagen: Ich liebe meinen Hund und würde ihn nie wieder hergeben.

Je ne regrette fucking rien!